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Bürgerinitiative im Gespräch mit dem Stadtrat Osterburken

Osterburken.  Zu einem Austausch der Argumente Pro und Contra „Transversale“ trafen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative Natur oder Transversale (NOT) am vergangenen Donnerstag in der Gaststätte „Zum Ross“ in Bofsheim. Neben Stadt- und Ortschaftsräten aus der Gesamtgemeinde Osterburken, konnte der Vorsitzende der Bürgerinitiative NOT, Peter Watzal, auch den Bürgermeister von Osterburken, Jürgen Galm und die Ortsvorsteher der Teilorte Bofsheim und Schlierstadt, Werner Geiger und  Jürgen Breitinger, begrüßen.

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Peter Watzal den Anwesenden nochmals anhand verschiedener Animationen die bisher vorliegenden Planungsvarianten für das beabsichtigte Straßenbauprojekt, das den Raum Buchen an die derzeit in Bau befindliche Umgehungsstraße Adelsheim – Osterburken anbinden und damit einen ortsdurchfahrtsfreien Zugang zur Bundesautobahn A 81, Würzburg – Heilbronn, verwirklichen soll. Die Bürgerinitiative NOT befürchtet unter anderem, dass hierdurch der überregionale Verkehr aus dem Raum Frankfurt angezogen wird, um mautfrei in die Ballungsräume Heilbronn und Stuttgart zu gelangen.

In einer kurzen Präsentation erläuterte Alexander Gebhardt die derzeitige Verkehrsanbindung des Raumes Buchen und Walldürn an die Autobahn. Hierbei ging er auch auf die aktuellen Verkehrsströme ein und plädierte für eine Nutzung und Optimierung der bereits vorhandenen Verkehrsflächen. Gabriele Genieser  und Ursula Werner verdeutlichten den anwesenden Kommunalvertretern die ökologischen Folgen des Straßenbauprojektes, das insgesamt etwa 12 Hektar zum Teil wertvollen Ackerlandes und Biotopflächen mit einer geschlossenen Asphaltdecke versiegeln wird und damit der Zielsetzung der Landesregierung von Baden-Württemberg, die die Flächenversiegelung reduzieren möchte, zuwiderläuft. Auch das den Planungen zugrundeliegende Verkehrsgutachten war ein Thema des Abends. Bernd Albrecht von der Bürgerinitiative NOT erläuterte den Anwesenden die vom Gutachterbüro prognostizierten Verkehrsmengen für den Raum zwischen Buchen und Adelsheim, die  hier in den kommenden Jahrzehnten bewältigt werden sollen. Nach Auffassung der Bürgerinitiative sind die prognostizierten Verkehrsmengen viel zu hoch gegriffen und rechnerisch nicht klar nachzuvollziehen. Demnach ergäben sich weitaus höhere Verkehrszuwächse als dies die der Prognose zugrunde gelegte Shellstudie hergeben. Kritisiert wurde hierbei auch, dass das Gutachten ausschließlich die Verkehrsentwicklung der Shellstudie aufgrund des Szenarios „Impulse“ untersucht. Das Szenario „Impulse“ prognostiziert  die Verkehrsentwicklung im Jahr 2030 bei günstiger Wirtschaftsentwicklung, die mit einer stärkeren Verkehrszunahme einhergehen soll. Die Verkehrsentwicklung des Szenarios „Tradition“, die geringere Verkehrszunahmen infolge eines verhaltenden Wirtschaftswachstums voraussagt, lässt das Gutachten unberücksichtigt. Zu diesem Thema wird es aber im kommenden September eine erneute Zusammenkunft der Bürgerinitiative mit dem Landratsamt und dem Gutachterbüro kommen, so Bernd Albrecht bei seinen Ausführungen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative NOT, Wolfgang Beckert, ging auf die Transversale als Standortfaktor für die Region Odenwald – Bauland ein. Er erläuterte unter anderem die Bedeutung weicher Standortfaktoren wie Freizeitangebot, günstige Baulandpreise, Bildungsangebote, Kindertagesstätten und Gesundheitsversorgung für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Diese Faktoren hätten heute eine immer größere Bedeutung für die Ansiedelung von Wirtschaftsbetrieben, insbesondere auf dem innovativen Dienstleistungssektor. Die Erhöhung der Verkehrsdichte in der Region laufe diesen Standortfaktoren zuwider und sei langfristig nachteilig für die Region. Zudem zeige die Erfahrung, dass zusätzliche Straßen dort, wo bereits ein gutes Straßennetz besteht, das Wirtschaftswachstum nicht in dem Ausmaße fördern, die eine Investition der öffentlichen Hand in Höhe von vielen Millionen Euro rechtfertigen würden. Beckert appellierte an die Anwesenden für den Erhalt einer touristisch attraktiven Region, die er als „Toskana des Baulands“ bezeichnete und deren Potentiale man nicht durch eine Politik der Flächenversiegelung zerstören soll. Hierbei forderte er aber auch eine besser Anbindung der Region innerhalb des weltweiten Datennetzes. Zur Stärkung der Wirtschaftskraft, insbesondere auf dem Gebiet des umweltschonenden Dienstleistungssektors brauche die Region um Buchen Datenautobahnen und keine Asphaltrollbahnen, so Wolfgang Beckert.

Alexander Gebhardt ging in einem weiteren Statement auf die Finanzierung der Transversale, die nach ersten Berechnungen 13,9 Millionen Euro kosten soll, ein. Er wies darauf hin, dass der Kreis  seinen Kostenanteil von zirka einem Drittel der Gesamtkosten durch Schulden finanzieren müsse. Hinzu kommen die Kosten für Unterhaltung und Pflege und jahrzehntelangen Schuldendienst für die nachfolgenden Generationen. Dieses Geld werde derzeit dringender den je für andere Projekte, wie die Sanierung des bestehenden Straßennetzes, benötigt. Er wandte sich gegen eine weitere Verschuldung des Kreises, insbesondere wenn es um ein derart fragwürdiges Straßenbauprojekt gehe.

Im Rahmen der sich anschließenden regen Diskussion erläuterte Bürgermeister Galm die derzeitige Beschlusslage des Stadtrates von Osterburken. Man sei nicht grundsätzlich gegen die Transversale. Der Stadtrat habe sich aber im Herbst 2006 dafür ausgesprochen, die Planungsvarianten nochmals zu überprüfen und hierbei die Interessen der Bewohner von Schlierstadt und Hemsbach  ausreichend zu berücksichtigen. Ortsvorsteher Werner Geiger, erläuterte das Interesse der Bofsheimer Bürger  an einer Reduzierung des Verkehrs auf der Ortsdurchfahrt. Von der Transversale erhoffe man sich hier entsprechende Entlastung. Ortsvorsteher Breitinger entgegnete, dass die Ortschaftsverwaltung mit den Planern der Transversale in Kontakt stehe. So habe man die Planungen bisher dahingehend beeinflussen können, dass die Transversale die direkte Anbindung von Schlierstadt an Osterburken nicht behindere und ausreichend gefahrlose Querungsmöglichkeiten für den landwirtschaftlichen Verkehr geschaffen werden.  

Für die Bürgerinitiative NOT
Wolfgang Beckert

Hemsbach, 24.06.2007

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