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Bürgerinitiative
„Natur oder Transversale“ (NOT) vor Verkehrsausschuss Osterburken. Die Vorplanungen
über den beabsichtigten Bau der Transversale zwischen Eberstadt und der
bereits in Bau befindlichen Umgehungsstraße Adelsheim-Osterburken (B 292)
gehen in die entscheidende Phase. Am 19. November wird der Kreistag des
Neckar-Odenwald-Kreises darüber abstimmen, ob das Straßenbauprojekt, das den
Raum Buchen ortsdurchfahrtsfrei an die Bundesautobahn A 81 anbinden soll,
realisiert wird. Die Bürgerinitiative NOT hat deshalb das Angebot von Landrat
Dr. Achim Brötel und der Kreistagsfraktionen genutzt und den Ausschuss für
Umwelt, Wirtschaft und Verkehr über ihre Haltung zur Transversale informiert.
Das Zusammentreffen fand im Rahmen der Ausschusssitzung am vergangenen
Montagabend im Mudauer Rathaus statt. Wolfgang Beckert, zweiter Vorsitzender
der Bürgerinitiative NOT e.V., stellte in einem Kurzvortrag die wesentlichen
Argumente, die aus Sicht der Bürgerinitiative gegen das Straßenbauprojekt
sprechen, vor. Für die Bürgerinitiative NOT e.V. ist das geplante Straßenbauprojekt aus verschiedenen Blickwinkeln kritisch zu hinterfragen. So bezweifelt die Bürgerinitiative, dass die Straße eine langfristige Verkehrsentlastung mit sich bringen wird. Unterm Strich, so Beckert bei seinen Ausführungen, bringt die Transversale zusätzlichen Verkehr in den Neckar-Odenwald-Kreis. Als Verlängerung der B 47 von Miltenberg kommend in Richtung Bundesautobahn, ist sie nach Auffassung der Bürgerinitiative eine willkommene Mautausweichstrecke. Insbesondere der Schwerverkehr spart sich etwa 52 Kilometer Umweg über das Autobahnkreuz Würzburg. Dies wird durch den derzeitigen Verkehrswegeausbau im Bereich Miltenberg zusätzlich gefördert werden. Kritisch sieht die Bürgerinitiative auch das Engagement des Neckar-Odenwald-Kreises für einen Lückenschluss zwischen der B 47 und der Bundesautobahn 81 und hinterfragt, ob es überhaupt in die Zuständigkeit des Kreises falle, die Straßenbaulastträgerschaft für dieses Projekt zu übernehmen. Dies erfolge offensichtlich deshalb, weil der, nach Ansicht der Bürgerinitiative der originär zuständige Bundesverkehrsminister, auf absehbare Zeit nicht für eine Finanzierung der Verlängerung der B 47 zu gewinnen sei. Mit der Übernahme der Straßenbaulastträgerschaft durch den Kreis würden für den Bau Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) verwendet, die nicht für den Bau überregionaler Verkehrswege vorgesehen sind. Beckert verwies darauf, dass diese verbreitete Praxis in der „Denkschrift 2007 des Landesrechnungshofes“, Seite 230 ff., beanstandet wurde. Auch habe der Landesrechnungshof bei der Überprüfung entsprechender Verkehrsprojekte festgestellt, dass die zugrunde gelegten Verkehrszuwachsprognosen in vielen Fällen viel zu hoch angenommen wurden. Hier sei man mit dem
Rechnungshof doch in guter Gesellschaft, so Beckert. Auch die Bürgerinitiative
NOT e.V. gehe davon aus, dass die für die Transversale zugrunde gelegten
Vekehrszuwachsprognosen zu hoch sind. Nach Auffassung der Bürgerinitiative
orientieren sich diese stark an dem Szenario „Impulse“ der
Shell-Verkehrsstudie 2004. Dieses Szenario prognostiziert Verkehrszuwächse
bei zunehmendem gutem Wirtschaftswachstum und moderaten Energiepreisen. Die
Studie befasse sich aber auch mit einem Szenario „Tradition“, das von
verhaltenem Wirtschaftswachstum und damit einer deutlich geringeren
Verkehrszunahme ausgehe. Das Verkehrsgutachten gehe bei Bau der Umgehungsstraße
Adelsheim-Osterburken, ohne Bau der Transversale im Jahr 2020 zum Beispiel von
9400 PKW-Einheiten pro Tag auf der Ortsdurchfahrt von Zimmern aus. Dies sei im
Übrigen dann auch die am stärksten belastete Strecke. Um diese Verkehrsmenge
zu verdeutlichen, stellte sie Beckert der gegenwärtigen Verkehrssituation in
Neckarburken gegenüber. Dort habe man bereits heute auf der Ortsdurchfahrt
eine Verkehrsmenge von 18000 bis 20000 PKW-Einheiten pro Tag zu bewältigen.
Wenn im Neckar-Odenald-Kreis ein echtes Verkehrsproblem bestehe, dann ist dies
in Neckarburken und nicht zwischen Buchen und der Autobahn, so der Vertreter
der Bürgerinitiative. Beckert betonte, dass gegenwärtig
zwar ein „zartes Pflänzchen namens Wirtschaft“ grüne, ob es aber zu
voller Blüte heranwachse, sei angesichts fortschreitender Globalisierung und
riesiger, wachsender Konkurrenz aus China und Indien äußerst fraglich.
Bereits heute schon würden die meisten Massenkonsumgüter in diesen Ländern
hergestellt und müssten nicht auf deutschen Straßen transportiert werden. Das immer wieder ins Feld geführte
Argument, die Transversale sei ein wichtiger Wirtschaftsstandortfaktor für
den Neckar-Odenwald-Kreis, wird zwar regelmäßig von Interessenvertretern des
Handwerks und der Industrie als Argument für das Straßenbauprojekt ins Feld
geführt, wurde aber bisher nie glaubhaft belegt. Interessant sei hingegen,
dass laut jüngsten Presseveröffentlichungen sogar ortsansässige Unternehmen
das Straßennetz im Neckar-Odenwald-Kreis als gut bezeichnen, auf denen die
hier produzierten Güter zügig ans Ziel kommen. Beckert stellte fest, dass
Verkehrswege tatsächlich ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft
seien. Allerdings in China und Indien, wo die Verkehrsinfrastruktur noch nicht
so ausgebaut sei wie im Neckar-Odenwald-Kreis. Einschlägige Studien belegten,
dass zusätzlich Verkehrswege dort kaum nennenswerte Auswirkungen auf das
Wirtschaftswachstum haben, wo es bereits ein dichtes Verkehrswegenetz gibt,
wie das auch im Neckar-Odenwald-Kreis der Fall sei. Dagegen beeinträchtige
die Transversale immer wichtiger werdende weiche Wirtschaftsstandortfakturen
wie die gesunde Wohnumwelt, Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten. Im Rahmen seiner Ausführungen
ging Beckert auch auf die Finanzierung der Transversale ein. Gegenwärtig
seien als Planungsgrundlage 13,6 Millionen Euro für den Bau dieser Straße
veranschlagt, die zu zwei Dritteln aus Mitteln des Landes finanziert werden.
Den Rest der Kosten trägt der Neckar-Odenwald-Kreis. Die Bürgerinitiative
prognostiziere demgegenüber bereits heute schon Kosten in Höhe von
mindestens 20 Millionen Euro, wenn die Transversale gebaut werde. Dieser
Betrag müsse gegenwärtig durch Schulden zu Lasten zukünftiger Generationen
getilgt werden. Hinzu kämen Kosten für Unterhaltung und Betrieb der Strecke.
Dieses Geld fehle dem Kreis bei der Sanierung des gegenwärtig vorhandenen
Straßennetzes. Dies sei in einem teilweise derart schlechten Zustand, dass
hier in den nächsten Jahren dringende Investitionen anstehen und das Geld für
die Transversale hier dringender gebraucht werde. Durch den Bau der
Transversale würden je nach Bauvariante zwischen 12 und 20 Hektar land- und
forstwirtschaftliche Fläche auf Dauer versiegelt. Die sei ein massiver
Eingriff in das Landschaftsbild. Wichtige intakte Biotope, insbesondere im
Bereich des Klosterwaldes bei Hemsbach würden damit zerstört und stünden für
viele Tiere und Pflanzen nicht mehr zur Verfügung. Hinzu kämen die, mit dem
Betrieb der Transversale verbundenen Emissionen wie Lärm, Feinstaub,
Kohlenstoffoxide und andere zum Teil für Mensch und Tier gesundheitsschädliche
Aerosole. Gerade der Bereich um den Klosterwald sei ein beliebtes
Naherholungsgebiet für die Bürger der Stadt Osterburken mit den Stadtteilen
Hemsbach und Schlierstadt, aber auch Zimmern, das zu Wanderungen und
sportliche Aktivitäten in nahezu ungestörter Natur von vielen gerne genutzt
wird. Die Flächenversiegelung führe
zu einer noch stärkeren Oberflächenwasseranflutung im Rinschbach- und
Seckachtal, wo man erst vor kurzem Millionen in Regenrückhaltebecken
investiert habe. Das Landschaftsbild werde aber nicht nur durch die
Transversale selbst, sondern auch durch damit verbundene Brückenbauwerke,
insbesondere im Rinschbachtal, massiv beeinträchtigt. Hierbei sei zu
bedenken, dass sich in diesem Bereich, wenige hundert Meter entfernt, mit
Fertigstellung der Umgehungsstraße Adelsheim-Osterburken im Seckachtal eine
zweite Brücke befinden wird. Der Bereich um den Nordbahnhof Adelsheim wird zu
„dem Verkehrsknoten“ des Neckar-Odenwald-Kreis. Auch hier wohnen, leben
und arbeiten Menschen, so Wolfgang Beckert, auf die und auf deren Eigentum es
Rücksicht zu nehmen gilt. Die Bürgerinitiative NOT
e.V. bestreite nicht, dass die Transversale zu einer Verkehrsentlastung der
Ortsdurchfahrten Seckach, Zimmern und Bofsheim führe. Auch sei der Zugang zur
Bundesautobahn 81 natürlich ortsdurchfahrtsfrei schneller zu erreichen. Beim
letzteren Vorteil handle es sich aber um einen Zeitgewinn von wenigen Minuten.
Diese Vorteile seien aber im Rahmen einer Gesamtgüterabwägung den Nachteilen
gegenüberzustellen. Aus Sicht der Bürgerinitiative wiegt dabei die
Gesamtheit der langfristigen Nachteile schwerer, weshalb sie den Bau der
Transversale insgesamt ablehne.
Die Transversale sei ein verkehrspolitisches Nullsummenspiel, weil sie
lediglich Verkehrsprobleme bündle und von anderen Gemeinden vor die Haustüre,
insbesondere der Hemsbacher und Schlierstadter Bevölkerung verlagere, die
nahezu allein die Lasten des Projekts zu tragen haben. Aus Sicht der Bürgerinitiative
gibt es Möglichkeiten, die in der Summe eine bessere Alternative zur
Transversale darstellen. Dies sind aus Sicht der NOT eine intelligente
Verkehrslenkung und Verkehrsleitung zur Dislozierung des Verkehrs auf
vorhandenen Verkehrsflächen, die Optimierung der umweltfreundlichen
Leistungsfähigkeit bereits vorhandener Verkehrsflächen, der Ausbau und
Erhalt des vorhandenen Schienennetzes, die Förderung und der Ausbau des öffentlichen
Personennahverkehrs und eine autobahnnahe Wirtschaftsförderung, die den Gütertransitverkehr
und damit den Schwerverkehr auf den Kreisstraßen reduziert. Im Anschluss an seine Ausführungen
zur Transversale, bedankte sich der Sprecher der Bürgerinitiative bei Landrat
Dr. Achim Brötel und den Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen für die
Gelegenheit, die Position der Bürgerinitiative im Ausschuss für Umwelt,
Wirtschaft und Verkehr dargestellt haben zu dürfen. Dies sei nicht
selbstverständlich gewesen. Trotz unterschiedlicher Meinung sei dies ein
Beleg für den fairen Umgang in der Diskussion um die Transversale und ein
Ausdruck der guten demokratischen Kultur. Wolfgang Beckert
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